Donnerstag, 18. Januar 2018
 
 
   
 
Baugeschichte
Ausstattung
Gottesdienste
Gemeindeleben
Gemeindebote
Besucherinformation
Nützliche Seiten
Administrator
 
     
 
Andacht PDF Drucken E-Mail

„Liebe Güstrower, liebe Gäste, Geborgenheit – das strahlt dieses Bild von der Maria im Blumenkranz aus. Wie so viele Künstler des späten Mittelalters wollte auch der Maler dieses Bildes einen „hortus conclusus“, einen abgeschlossenen Garten darstellen. Maria und Jesus sind umgeben von einem Meer an Blumen. Dieser Raum, wo Mutter und Kind allein für sich sind, ist ein heiliger Raum – geheiligt durch die einmalige Liebe zwischen Mutter und Kind. Kein Mensch kann dieser Mutter je näherkommen als ihr neugeborenes Kind, und kein Mensch kann diesem Kind je näherkommen als seine Mutter in diesen ersten Tagen nach der Geburt. Im Hintergrund um die beiden herum glänzt das Gold – herrlich wie Gott in seiner Herrlichkeit, unergründlich wie Gottes Ewigkeit und doch voller Wärme und Licht wie Gottes Liebe. Der nackte Säugling liegt in den Armen der Mutter, umsäumt von ihrem wallenden Kleid im Himmelblau. Die junge Mutter schaut über seinen Kopf hinweg in die Zukunft; ihr Blick ist liebevoll und traurig zugleich, als ahnte sie, was kommt und was ihrem Kind bevorsteht. Diesen Augenblick des Anfangs möchte sie aber festhalten – in Ewigkeit, wenn es ginge! Die Blumen, die Mutter und Kind umranken und beschützen, sind sehr verschieden. Die mittelalterliche Mystik kennt sieben Blumen der Maria: Die dornenlose Rose, die Lilie, die Akelei, das Veilchen, das Schnee- oder Mai- glöckchen, die Nelke, die Walderdbeere. Diese sieben Blumen entsprechen den sieben Schmerzen der Maria: 1) Die Weissagung Simeons, dass wegen dieses Kindes ein Schwert ihr Herz durchbohren wird; 2) die Flucht vor dem Kindermord durch Herodes; 3) der Verlust des zwölfjährigen Jesus nach der Wallfahrt zum Tempel; 4) die Begegnung mit Jesus auf dem Kreuzweg; 5) die Kreuzigung und das Sterben Jesu; 6) die Kreuzesabnahme; 7) die Grablegung Jesu. Der Betrachter erkennt im Bild den Gegensatz: Auf der einen Seite diese Liebe – einmalig, herrlich, warm, einladend, ewig glänzend und auf der anderen Seite die unendlichen Schmerzen, durch die Mutter und Kind hindurchgehen werden. Und doch wird die Liebe des Anfangs am Ende bleiben – ewig bleiben. Durch die Liebe dieser Mutter zu ihrem Kind scheint Gottes Liebe in unsere Welt voller Gewalt und Schmerzen hinein. Diese Liebe – und nicht die Gewalt und die Schmerzen! – wird ewig bleiben. Auch nach der Reformation hier in Güstrow wollte man dieses Bild von der Maria mit ihrem Kind festhalten – es wurde bewusst 1583 auf dem Blatt in der Tür zur „Reformationskanzel“ von Rudolph Stockmann gemalt (heute die Tür zur Sakristei). Diese Geschichte von der ewigen Liebe Gottes zu den Menschen ist unsere Weihnachtsbotschaft, und es ist verständlich, warum sie bis heute noch die Menschen anzieht und mit großer Freude erfüllt. Sie ist die Liebe des Anfangs, nach der wir uns alle sehnen, die wir oft schmerzlich vermissen, die wir auch oft auf leichtsinnige Weise verlieren. Wie die uranfängliche Liebe einer Mutter zu ihrem Kind lässt sie uns nicht los, zieht sie uns, will sie uns erlösen.

Es grüßt sie herzlich Ihr

Mitchel Grell

 
weiter >
     
 
Login Form





Passwort vergessen?
Noch kein Benutzerkonto?
Registrieren
 
     
 
Go to top of page  Startseite | Links | Kontakt | Suche | FAQs | Impressum | Archiv |