Ergänzung zu 500 Jahre Bormanaltar

Ergänzung: 500 Jahre Bormann-Altar

Abschrift eines alten, noch mit DDR-Schreibmaschine geschriebenen Blattes ohne Datum und Namen; evtl. durch eine/n Mitarbeiter/In der Pfarrgemeinde erstellt und von G. Oekler bewahrt

„Die Legende der Heiligen Katharina von Alexandrien

In vielen alten Kirchen steht in Altären oder als einzelne Figur die „Heilige Katharina von Alexandrien“ mit einem zerbrochenen Rad und einem Schwert. Sie wurde zu den vierzehn Nothelfern gezählt und ihr Namenstag ist der 25. November. Im Mittelalter hatten die Philosophen, die Müller und die Stellmacher sie zu ihrer Patriarchin erklärt. In der Katakombe der Heiligen Cyriaka zu Rom entdeckte man ein Fresco aus dem 5. oder 6. Jahrhundert, das die Beischrift „sancta Catharina“ trägt. Die Legende erzählt uns von ihr folgendes:

Katharina sei eine schöne und kluge Königstochter (Anfang 300 n.Chr.) in Alexandria gewesen. Sie wollte nur einem Bräutigam gehören, der noch schöner, edler, reicher und klüger als sie sei. Weil sie alle Freier abwies, führte die Mutter sie zu einem Einsiedler, damit er ihr die törichten Wünsche ausrede. Der einsame Greis aber erzählte ihr die Frohe Botschaft vom Gottes- und Menschensohn Jesus, der Herr über alle sei. Katharina war über die Maßen glücklich, glaubte und ließ sich mit ihrer Mutter taufen. Nun sah sie im Traum den „Herrn der Welt“, er nannte sie seine Braut und schmückte ihre Hand mit seinem Ring. Wie hätte Katharina jetzt noch Freude an Gold und Geschmeide haben können. Sie verschenkte ihr Hab und Gut an die Armen, gab ihrem stadtbekannten Stolz den Abschied und lebte inmitten der Christengemeinde, wie eine gottgeweihte Jungfrau.

Der römische Cäsar Maximin (oder Maxentius) erließ kurz darauf einen allgemeinen Opferbefehl an alle Städte des Reiches. In Alexandrien überwachte er persönlich die Opferhandlung vor den Statuen des Zeus und der Aphrodite. Viele streuten ohne Bedenken Weihrauch in die Opferbecken. Katharina aber weigerte sich mit knappen Worten, die marmornen Figuren als allwaltenden Götter anzuerkennen. Zornbebend rief der Cäsar 50 Gelehrte herbei. Sie bemühten sich redlich die Bekennerin umzustimmen, mussten aber zuletzt, von ihrer Weisheit bezwungen, vor dem Cäsar gestehen, dass auch sie an den Gott der Christen glaubten. Sofort wurden sie hinausgeführt und verbrannt.

Katharina lag nach blutiger Geißelung 12 Tage lang im Kerker, ohne Speis und Trank, bis der himmlische Bräutigam sie durch seine Engel heilte und erquickte. Schon wartete das Rad mit den krummen, scharfen Messern auf sie, um sie zu zerreißen, doch die Speichen zerbrachen unter einem Blitzschlag und erst durch das Schwert wurde ihr Leben geendet. Doch wiederum erschienen die Engel und trugen ihren Leichnam zum Berge Sinai, wo dann ein Kloster errichtet wurde, das nach ihr benannt wurde.

Möglicherweise haben Mönche des Katharinenklosters diese Legende erzählt. Es gibt auch die Variante, die auf unserem Altar wohl dargestellt ist, dass der Kaiser sie sogar als Frau begehrte und sie zwingen wollte, ihren Glauben abzuschwören. So steht er mit fordernder Hand vor ihr, als der Henker bereits zum Schlag ausholt. Gekrönt steht Katharina dann mit dem Schwert neben dem gedemütigten, auf dem Boden liegenden Kaiser, im Hintergrund vermutlich eine phantasievolle Darstellung des Sinaiklosters. Der Maler Bernaert van Orley hat sich selber in die Darstellung mit hineingestellt. Er malte diese Bilder, weil es die Güstrower Katharinenbruderschaft war, die diesen Altar stiftete und der 1522 aufgestellt wurde.“